Armin Greder:

Die Insel.

Aarau; Frankfurt am Main: Sauerländer 2002.

ISBN 3-7941-4930-0.
32 Seiten. 15,80 €.

Ab 8 Jahre und älter.

 

 

„Ich baute Mauern, eine Festung um meine Welt, damit niemand sie betreten kann. Wenn ich nie geliebt hätte, hätte ich auch nie heulen müssen. Ich bin ein Fels. Ich bin eine Insel." So weit Paul Simon 1966 in „I am a rock“.

  Unser täglicher Rassismus

Armin Greder lässt seine Inselbewohner genau das tun: Sie bauen eine riesige Mauer um ihre Insel und verbrennen das Boot des Fischers, damit kein Kontakt mehr nach außen hergestellt werden kann, und schieben den Mann auf seinem Floß zurück ins Meer.

Auslöser dieser Aktion ist die Strandung eines nackten Mannes mit seinem Floß. Er ist anders als die Bewohner, die ihn am liebst sofort wieder hinausgeschickt hätten auf das Meer. Er ist fremd. Er gehört nicht zu uns. Wir wollen ihn nicht haben. Auf Fürsprache des Fischers darf er aber doch zunächst bleiben. Die Männer sperren ihn auf der anderen Inselseite in einen Ziegenstall ein, nageln die Tür zu. Aber der Fremde taucht wieder in ihrem Ort auf. Er hat Hunger. Vielleicht könnte er sich seinen Lebensunterhalt selbst verdienen? Nein, nicht bei mir! hat ein jeder sofort Gründe parat.

Doch der Fremde schleicht sich in die Gedanken und Gefühle der Menschen der Insel, sie haben Angst vor ihm. Das Ende der Geschichte ist bekannt.

So gehen wir also um mit den Menschen, die ungefragt zu uns kommen. Wir beäugen sie misstrauisch, geben ihnen keine Arbeit, dulden nur vorübergehend ihren Aufenthalt bei uns. Da wir Angst haben vor dem Unbekannten, rotten wir uns zusammen und ergreifen unsere Waffen: Harken, Forken, Knüppel. Unsere Albträume halten wir für kommende Wirklichkeit, der es entschieden entgegenzutreten gilt. Der Fremde muss weg. Eine Wiederholung muss vermieden werden.

Derart eindringlich wie die Geschichte sind die Bilder in Pastell und Kohle: Dicke, fast feiste Bewohner, Kinder, die ihre Eltern nachahmen gegen Ausgestoßene, dämonisch oder ängstlich aufgerissene Augen und immer wieder Zusammenrottung hier und nackter abgemagerter Mann dort.

Weit ist das Meer und dunkel wie der Horizont. Und hoch sind die Mauern um die Insel, riesig und schwarz.