Nikolaus Heidelbach:

Die dreizehnte Fee.

Weinheim und Basel: Beltz & Gelberg 2002

3-407-79289-1
32 Seiten

ab 5 Jahre

zu: Dornröschen

 

 

Heidelbach schreibt es auf die Rückseite des Buchs: Ein Märchen für Lehrerinnen. Er erzählt keine geradlinige Geschichte, er „spinnt“ eine Situation weiter – wo wie es auch die Königstochter mit dem späteren Namen „Dornröschen“ einst machte. Es waren dreizehn Feen, die mit ihrem Zauber wirkten, denn die Eltern – obwohl Könige – hatten nur Geschirr für zwölf Feen. Die dreizehnte Fee also ...

Dornröschen für Grundschul-Lehrerinnen

 Der (gekürzte und zum Teil geänderte Grimm’sche) Text des Dornröschen-Märchens ist auf den vier Innendeckel-Seiten abgedruckt, weiß vor großen roten Rosen. Eben diesen las die Lehrerin Frau Kleve ihrer Klasse I b vor. Die Kinder haben viele Ideen dazu: zu den Eltern, die am Geburtstag ihres Kindes wegfahren, zum Königspalast, zu den Feen, zu einem längeren Schlaf. Frau Kleve staunt.
Dann lässt Heidelbach (über zwölf, nein dreizehn Kinder der Klasse I b) seiner Fantasie freien Lauf. Die lässt er nämlich am nächsten Tag in die Schule kommen mit: Mir träumte in der letzten Nacht von ihrer Fee und was die mit ihnen anstellte. Frau Kleve staunt nicht mehr, sie ist sprachlos, holt tief Luft, pfeift leise durch die Zähne oder sagt: „Na ja.“
Nach dem Traum zur 11. Fee meldet sich Gerhard Sträter, genannt Gerhard Streber: „Ich habe mal von ihnen geträumt, Frau Kleve!“
Gut, dass noch die 12. Fee danach kommt. Sonst wäre vielleicht die Klasse I b in einen hundertjährigen Tiefschlaf verfallen. Oder ist sie es? Man sollte mal bei Heidelbach nachfragen, der wird es wissen.

Links Text, rechts Bild. Aber was für Bilder! Je zwei Einzelwesen (Fee plus Kind vor weißer Fläche) werden ausgezeichnet. Welche Augen-Blicke dieser beiden! Immer knapp vorbei an uns, aber auch aneinander, manchmal zusätzlich mit leichtem Silberblick. Das sind zwei einzelne Wesen, deutlich zwei, einsam je, vielleicht sogar debil. Dabei sind beide zauberhaft ausgemalt und mit vielen Mustern verziert, spannend auch dadurch, dass Heidelbach knapp an der Symmetrie vorbeimalt.

All das bringt beim Angucken ein leichtes Gruseln in das Rückenmark. Aber angenehm.