Ole Könnecke:
Der große böse Bill.

München und Wien: Hanser 2002.

ISBN 3-446-20182-3.
 32 Seiten.
 12,90 €.

Ab 3 Jahre und für Erwachsene

 

 

Die Geschichte der Läuterung eines „Menschen“, vor dem alle Erwachsenen Angst haben, und erst die Kinder. Klasse gezeichnet im Stil der 50er-Jahre.

Groß ist er. Und böse.

Der große böse Bill hat hauptsächlich zwei Eigenschaften: Er ist groß und er ist böse.

Schlimm genug, dass die Erwachsenen aus lauter Angst vor ihm ihn gewähren lassen und über seine schäbigen Witze lachen, gegenüber den Kindern dreht er noch mal so richtig auf, nimmt Bälle weg, macht tausend Knoten in das Springseil, klaut ihnen Schokolade. Mehr durch Zufall kommen die Kinder der Quelle seines Rüpelwesens auf die Spur, erschrecken und erretten ihn, so dass Bill von da an nur noch groß ist. Jedenfalls gegenüber den Kindern.

Könnecke zeichnet im Stil der 50er-Jahre. Seine Personen sind so selbstverständlich Tiere, dass einem das beim Lesen und Schauen gar nicht merkwürdig vorkommt. Obwohl die Bilder klar und leer („sauber“ trotz der vorherrschenden braunen Farbe) sind, schafft er es, die Gefühle der Personen so eindeutig zu zeichnen, dass die Bilder allein schon eine Geschichte erzählen. Der abgesetzte relativ kurze Text erzählt auch eine Geschichte. Aber erst beide zusammen bewirken den Witz, spielen sich gegenseitig die Bälle zur Hintergründigkeit zu. Der Gemüsehändler, sagt der Text, soll angeblich so tun, als bemerke er den täglichen Apfeldiebstahl nicht. Im Bild sieht man die geballten Fäuste, den eingezogenen Hals, den starren Blick, die unterdrückte Wut. Im Text wird von den schlimmen Dingen erzählt, die man gar nicht aufschreiben könne. Im Bild sieht man eins davon: Bill, dieser große und böse Hund erschreckt zwei ältliche Jungfern-Enten, indem er sich, man denke nur!, die Daumen in die Ohren steckt, mit den Handflächen wedelt und dazu noch – o Schreck – die Zunge herausstreckt! Nein, wie gemein und außerordentlich schlimm.

Als die Kinder ihn erschrecken, kurz bevor sie ihn retten, gerät nicht nur die Welt des großen bösen Bill aus den Fugen, auch die Bilder verlieren ihre Ruhe und Ausgeglichenheit. Die haben sie auf dem letzten Bild wieder: Bill schenkt jedem Kind einen Apfel. Die Haltung des Gemüsehändlers kann man sich vorstellen.

Ein schönes Buch? Ein „Klasse“ Buch!