Robert Louis Stevenson (Text) und Mario Grasso (Bilder):
Mein Bett ist ein Boot.

Der Versgarten eines Kindes.

Aus dem Englisch von Klaus Modick.

Oldenburg: Lappan 2002.

ISBN 3-8303-1062-5.
112 Seiten.
16,90 €.

Als Bilderbuch ab 3.

 

Gedichte für Kinder aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, aus der Welt eines gut-bürgerlichen Haushalts. Mit einem ausführlichen Nachwort über das Leben von R. L. Stevenson.

Robert Lewis (später: Louis) Balfour Stevenson lebte von 1850 bis 1894, war aus begütertem Haus, studierte Rechtsanwalt und litt sicher keine finanzielle Not. Seine Erfahrung war die des (wohlhabenden) Bürgertums, seine Moral entsprach dieser Klasse, auch wenn er durch seine Heirat hier einige Regeln durchbrach. Seine Erfahrung war aber nicht nur Edinburgh und angeschlagene Gesundheit (er starb 44-jährig), sondern auch die diverser Reisen bis nach Kalifornien.

Dieser kurze Hintergrund ist sicher wichtig, um Reime wie diesen zu verstehen: „Kinder, die nicht lieb und nett, / haben kein Spielzeug und kein Bett; / böse Kinder müssen darben - / oder arme Eltern haben.“ So drohte man damals eben: „... wer böse ist und arg / und sein Brot nicht essen mag, / wird es nie zum König bringen“ Deswegen also. Und man marschierte hinter Mary Jane und vor Tom wie es die Soldaten machen „mit Salut zwölf Schuss“ und hinter einer Flagge. Das war die Zeit, als sich Heu noch türmte wie ein Gebirge und die Wassermühle klapperte, der Laternenanzünder sein Handwerk verrichtete und „Tantchens Rock“ sich schlängelte als folgte ihr ein Tier.

Lyrik zu übersetzen erfordert ein mehr Nach-Dichten, selbst wenn man sich nur auf das Reimen verlegte. Klaus Modick erklärt in seinem ausführlichen Nachwort (14 großformatige Seiten) die (heile) Welt von Stevenson, indem er sein Leben nachzeichnet. Immer wieder weist er dabei auf die jeweils entstandene Literatur (Schatzinsel, Jekyll und Hyde usw.) hin. Schade, dass er nicht auf die Übersetzung eingeht. Einzig das Requiem, das auf Stevensons Grab steht, wird im Original abgedruckt – dafür aber nicht übersetzt.

Die Bilder sind seltsam leblos, oft in Rottönen gehalten, lassen trotz angedeuteter Schatten oft Perspektiven vermissen und haben fast immer keinen Hintergrund. Auch zusammengehörige Teile stehen isoliert „irgendwie“ um die Gedichte. Das macht es auch für kleinere Kinder möglich, Einzelheiten deutlich zu unterscheiden. Aber für die ist das Buch sicher nicht verlegt. Ja für wen denn?

Für Kinder ist dies längst nicht mehr ihre Welt. Und die Gedichte sind zu wenig Märchen, als dass man sie in die Welt der Fantasie siedeln könnte. Interessant für Erwachsene vielleicht, aber dafür bieten die Bilder zu wenig. Fazit: Leider etwas unstimmig.

Dass die äußere Aufmachung und die Größe des Buchs der erfolgreichen Serie der „Hausbücher“ aus dem Gerstenberg-Verlag zum Verwechseln ähnlich sind, ist sicher Zufall.