Silke Leffler / Frank Helfrich / Wackeldackel:

Schnipp Schnapp Schnorum.

Wien: Annette Betz bei Ueberreuter 2002.

ISBN 3-219-11039-8 und ...40-1.
56 Seiten / CD
16,90 €. und xx €

ab 3 Jahre und für viele Erwachsene.

 

Wir alle haben sie, irgendwie, die Sehnsucht nach der alten Zeit. Drum sei bereit! (...im Reim) – Unter einem ähnlichen Motto kommen sie herbei, die Sprüche, die alle kennen und keiner weiß woher: “Eene meene Muh / und raus bist du...“

Sehnsucht nach der ruhigen Zeit

Vorweg: Buch und CD liefern gleiche Themen. Aber beide machen das sehr, sehr unterschiedlich.
Für die CD wurde die A-capella-Gruppe (also: die Instrumente werden mit ihren Stimmen „gesungen“) names „Wackeldackel“ gewonnen. Eine Musik, die vielleicht eher avantgardistisch ist, in die man sich aber gut einhören kann, wenn man willens ist. Am besten die CD einlegen und auf Wiederholung drücken. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich nicht nur, sondern man erinnert sich auch und singt, summt schon mal mit.

Das ist auch der Sinn des Buches. Sich erinnern. Gut, sie ist ein bisschen her diese Zeit, als es noch freie Flächen an den Hauswänden gab, an die man einen Ball spielen konnte. Die Zeit, als man sich noch auf seinem Hacken drehen konnte, um ein Loch in dem festen Sand zu drehen, in das man bald mit Murmeln prüfen konnte, ob man seinem Gegner nicht eine der begehrten und teuren Glas-Murmeln abnehmen konnte (eine Glasmurmel entsprach einem Vielfachen der gefärbten Tonmurmeln, je nach Größe und Ausarbeitung). Die Reime im Buch spielen nicht mit Murmeln, sondern mit Wörtern. Ja, sie spielen mit Klängen und mit Buchstaben.

Die Bilder spielen da ganz schnell mit: Zu „Weißt du was? / Wenn’s regnet, wird’s nass, / wenn’s schneit, wird’s weiß, /  ...“ packt das Bild so viel mehr hinzu, dass der Platz schon fast nicht reicht: Rot und Mensch und verkleidet und Krokodil im Arm und Regenschirm dazu und ein sich bewegender Zeigefinger (Nein, nein, das stimmt so nicht!) – und noch viel mehr schon für einen mehr oder weniger sinnlosen Vierzeiler.

Das tut gut.

Warum soll denn alles einen Sinn haben? Gerade Sprache lädt dazu ein, sich mit Apfelkerngehäusen zu beschäftigen oder mit dem Herzen der Liebe oder mit Zwergen am Band.

Die Bilder von Silke Leffler liefern so viel eigenen Stoff, dass man sie am besten auf einen Notenständer stellt, immer wieder daran vorbeigeht, schaut, aufnimmt - und dann vielleicht einmal pro Woche umblättert und das Prozedere wiederholt. Nehmen wir uns ein Beispiel: Wenn Enten Schlittschuh laufen ... zeigt nicht nur zehn typische Situationen und acht Fußhaltungen, sondern auch drei Enten, einen Schlittschuh am Angelhaken und ein Gedicht von Christian Morgenstern. Da kann man doch nicht meckern! Da gibt’s so viel zu gucken und so viel freundliches Auf-den-Arm-Nehmen, dass man schon vermisst, seine Schlittschuhe nicht untergeschnallt / angezogen zu haben.

Die CD schafft eine weitere Dimension, die mit „Hören“ nur sehr ungenau beschrieben ist.

Wir kennen zwar nur diese Unterscheidungen (lesen – hören – sehen), aber hören und hören ist schon anders. Wackeldackel muss man sich als Kind zunächst einfach antun. Die Freude kommt bald, später allerdings. Wenn man als Eltern / Oma etc. etwas Gutes tun will, dann schafft man beides zugleich an. Dann haben beide – Buch und CD – wirklich eine vielfältige, zeitgleiche Wirkung.

„Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt.“ Das kennt man einfach. Das muss man einfach kennen.