Doris Lecher:

Verhexte Weihnachten.

Zürich: Bajazzo 2002.

ISBN 3-907588-35-5.
32 Seiten.
13,00 €.

Ab 4 Jahre.

 

Wenn eine Hexe sich langweilt, dann braucht sie ein neues Betätigungsfeld. Wie wäre es mal mit Vorbereitungen für Weihnachten? Was da wohl rauskommen mag…

Alles was wir scheußlich finden, sind Lieblingsdinge der Hexe(n): Schlangen, Spinnen, Fledermäuse, Giftpilze, Gespenster, Ratten, Hühnerbeine werden als Kopf- oder Hutschmuck verwendet, als Schal, dienen als Vorlage für Kekse oder Hauspuschen. Hexen haben außerdem immer eine lange gebogene Nase und lange spitze Schuhe.
So auch die Gartenhexe mit dem sprechenden Namen „Rukula“. Alle ihre Freunde halten Winterschlaf und mögen sie gar nicht von ihrer Langeweile befreien. Ihr Rabe Tzarra hat da eine Idee, sie möge sich doch an Weihnachten und den Vorbereitungen dazu beteiligen. Da werden sogar einige Winterschläfer wach und helfen mit. Es wird nun auch noch ein Opfer gefunden, das man mit den Geschenken verwöhnen kann. Es ist Matthias. Der hat zwar schon (fast) alles, aber Rukula kann mithelfen, dass er das bekommt, was er sich am meisten wünscht: Etwas mehr Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit von seinen Eltern.

Soweit eine schöne Geschichte. Wären da nicht einige ärgerliche Textbrüche und – noch schlimmer – die Verwässerung des christlichen Fests als Langeweiletöter, verbunden mit heidnischen Begriffen wie „Hexe“ und hexen. Auch wenn Rukula niedlich ist und gar nicht böse und modebewusst Kleidung von „Hex Hara“ (Anm.: Max Mara, Textilmode) trägt und die Ratten ununterbrochen lesen mögen, auch wenn Knecht Ruprecht kurz im Fenster zu sehen ist und Matthias sich „Liebe“ wünscht, passt hier Einiges nicht zusammen (Hilfe der Winterschläfer, Rukulas Wunsch, Weih-nachtsfee zu spielen, die Begräbnisse der Vögel im Schnee, die vom Kater („…dass mein Kater Kefir keine Vögel mehr killt!“) gerissen wurden.

Die Bilder nehmen, wie es sich für ein Bilderbuch gehört, den größten Platz ein. Doris Lecher zeichnet sehr viele Einzelheiten, öffnet Baumrinde und Erde, um auch hinter und unter die Dinge zu schauen. Auch in den Räumen wimmelt es von kleinen, oft witzigen Einfällen der Illustratorin – da können wir ganz viel entdecken.
Obwohl Text und Bild voneinander getrennt sind, gibt es durch den Verzicht auf Rahmen keine Kluft zwischen beiden. Das gilt auch inhaltlich.
Schade, dass Matthias so gar nicht sympathisch gezeichnet wird. Muss er deshalb auf Freunde verzichten? Bleibt ihm da nur die ebenso einsame Hexe? Ein Not-Zweck-Bündnis sozusagen?