Bruno Hächler (Text) und Birte Müller (Bilder):

Der Schneerabe.

Gossau Zürich und Hamburg: M. Neugebauer 2002
3-85195-699-0
32 Seiten
12,80 €

Ab 3 Jahre

 

Hei – in den weichen Pulverschnee legen, ganz vorsichtig auf den Rücken, und mit Armen und Beinen wedeln. Der Abdruck ist der beste Schnee-Engel! Das möchte der dritte Rabe auch können.

Einmal Engel sein

Die beiden anderen Raben finden, dass das Rabenleben im Winter bei Kälte und Schnee gar nicht schön ist, krächzen, schnarren, meckern und nörgeln. Nur der dritte Rabe sagt nichts und schaut vom Ast des knorrigen Baums den Kindern zu, wie die spielen, mit Schneebällen werfen und Schnee-Engel spielen. Ach, könnte er doch mitmachen! Seine Krone aus Schnee würde zeigen, dass er ein wahrer König ist.

Er traut sich aber erst hinunter in den Schnee, als die Kinder zurück sind in ihren Häusern. Aber o je, so sehr er sich bemüht, der Schnee-Engel will einfach nicht gelingen. Stattdessen liegt er auf dem Rücken wie ein Käfer und kann sich trotz eifrigen Bemühens nicht mehr allein Umdrehen. Na, den Spott seiner beiden Kameraden kann man sich vorstellen. Wer sich aber zuletzt denn doch freuen kann, das ist ein schneeweiß gepuderter Vogel auf dem Baum: Ein echter und wirklicher Engel!

Birte Müller nutzt die gesamte Fläche für ihre Bilder, lässt den Text als Teil der Bilder zu. Jedes Bild ist sogar doppelseitig und gibt ganz viel Raum für den zumeist tiefen Horizont (wenn die Raben auf dem knorrigen Baum sitzen), den seltenen hohen (wenn der dritte Rabe sich auf dem Schnee wälzt) oder das Bild wird wirklich aus einer Vogelperspektive (oberhalb der Raben) gesehen oder schaut in den hohen Himmel, in dem unser Liebling seinen Schnabel nach oben strecken darf: Ja!

Die Raben erhalten bei Birte Müller auch eine Menge (Öl-)Farbe, sie spachtelt sie sogar ziemlich bunt, obwohl natürlich das dunkle Schwarz sie schon als Beispiele ihrer Art verrät. Aber Schatten, Luftspiegelungen, offene Schnäbel lassen Blau, Rot und auch Gelb-/Grüntöne zu. Und es fällt nicht unangenehm auf, dass der Himmel ununterbrochen seine Farbe ändert: von gedecktem Rot über helles Gelb bis zu tiefem Schwarz und leuchtendem hellen (Pastell-) Blau. Ein angenehmer Kontrast zu den zuletzt selbst gemalten Bildern (…Malen nach Zahlen), denn hier ist das Leben nicht nur in den Bildern zu spüren. Die lustvolle Arbeit im Malstudio leuchtet durch die Ergebnisse hindurch.

Da möchte man glatt portraitierter Rabe sein.