Klaus Ensikat (Bilder)
Barbara Kindermann und J. W. Goethe (Text):
Faust.

Berlin: Kindermann 2002.

ISBN 3-934029-10-8.
36 Seiten.
15,50 €.

Ab 10.

Ein Sakrileg,  d e n  Goethe kinderecht zu beschneiden, ihn sogar mit Zitaten zu würzen? Vielleicht – aber ein sehr gelungener Text und dann auch noch ganz stark bereichert durch die wundersamen Bilder des Klaus Ensikat lassen den Versuch gelingen. Unbedingt anschaffen!

Faust für Kinder (?)!

Die Erzählung folgt den Szenen des Vorbilds und ist – ohne zu simplifizieren – durch ihre Klarheit, Wortwahl und Satz-Struktur auch schon von zehnjährigen Kindern gut zu verstehen. Und zugleich haben Erwachsene ihre Freude an der Erzählung und den eingefügten, kursiv gesetzten Zitaten, die sich wie selbstverständlich in den Textfluss einfügen.
Lesen!

Ensikat malt in seinem bekannten kolorierten Federstrichstil, skurril, mit vielen deutlichen oder auch versteckten Nebenhinweisen oder vielleicht einfach auch nur, weil ihm dies oder jene Detail gerade ein- und gefiel. Nie wiederholt das Bild den Text, bleibt immer ein wenig davor oder daneben.
Ein Student in Auerbachs Keller darf Punk sein, ein Vorhang weckt Assoziationen an Brecht’sches Lehrtheater. Die Studierstube ist ein zugiges Turmzimmer ohne Fensterscheibe, gespickt mit magischem Zahlenquadrat, Eule, Botanisiertrommel, Bleiguss-Schraubstock.
Dabei sprengen die Bilder immer den gesetzten Rahmen, hier ragt ein Zipfel heraus, fliegt dort eine Fledermaus hinein, lassen Kleckse außerhalb des Bildes Unordnung und Chaos erkennen, die neben der Welt der Logik existiert.
Wenn im Garten bunte Vögel vor dem lauen späten Sommerhimmel fliegen, sich vergnügen, Leben versprühen, dann krabbeln draußen und auf dem Bildrand schwarzweiße Schmetterlinge (als Todesboten bekannt) und Käfer, fast skelettiert.
Anschauen! Mehrmals!

Wenn man denn unbedingt etwas Negatives finden will, so: dass die Seiten durchaus nummeriert und der Erzählfluss ab und an durch eine Vignette strukturiert sein könnten. Diese Anmerkung gilt aber nur für „Mäkeler“.