Sibylle und Jürgen Rieckhoff:
Roberta und ich.

Hildesheim: Gerstenberg 2002.

ISBN 3-8067-4979-5.
32 Seiten.
12,90 €.

Ab 03 Jahre.

 

„Es war Liebe auf den ersten Blick.“ So beginnen große Romane und schöne Bilderbücher: Das Schaf Roberta gehörte einfach zu mir. Wir konnten nicht getrennt werden, doch das Einleben in die Großstadt fiel ihr irgendwie schwer ...

Tiere sind Träume

Schafe sind gesellige Tiere, die wollen nicht mit einer Schaffelldecke abgespeist werden, die wollen  m i t  machen. Dagegen spricht irgendwie ihr Eigengeruch, der nur mit viel Seife und Zitronenduft überdeckt werden kann, was ihr nun wiederum nicht so gut gefällt.
Um es kurz zu machen: Schafe passen nicht in die Stadt, und bei einem Ausflug in die Natur entscheidet sich Roberta – obwohl sie so beliebt ist und geliebt wie beneidet wird in der Stadt von uns und all den anderen – dafür, zurückzukehren in eine Herde. Der von ihren Eltern geschenkte „Robert“ aus Baumwolle ist natürlich kein Ersatz. Irgendwann wird die Ich-Erzählerin wieder ein richtiges Tier haben (eine Kuh?).

Eine tolle einfache Geschichte, wie sie sich Kinder ausdenken. Ein eigenes Tier besitzen, das nur für sie da ist. Und besonders eins, das niemand sonst hat. Ein Schaf also, oder vielleicht auch (später) eine Kuh.
Man kann sich die Kämpfe innerhalb der Familie vorstellen, wenn die Eltern damals nachgaben und Roberta mitnahmen, dann aber doch durchgriffen – ohne den Willen ihrer Tochter wirklich überzeugt zu haben.

Die Bilder lassen eben so viel Platz für den Text, wie dieser eben benötigt. Das Ich-erzählende Mädchen trägt eine runde Brille, hat blonde Haare mit Pferdeschwanz und einen Ringelpullover, die Landschaft ist typisch Norddeutsch, die Stadt könnte sehr wohl Hamburg sein, wohnt man doch in einer Mietwohnung eines Mehretagen-Hauses mit Fahrstuhl. Dort gibt es auch Gemüsehandlungen mit Markise und Eltern, die ein bisschen nachgebensbereit sind, ein bisschen konsequent, ein bisschen pädagogisch erziehend und ihr Kind lieb haben.

Genau das zeigen die Bilder.

Alle, die über ihre Kinder oder Enkel schauen, wissen, dass hier sehr liebevoll ein Problem behandelt wird, dass ganz sicher auftritt: Jedes Kind braucht ein Tier, um Verantwortung zu lernen und Freude zu haben mit ihm – aber auch um Schmerz zu erfahren und lernen, mit ihm umzugehen.

Erfüllte Träume sind leeres Leben. Leeres Leben ist sinn-los. Träume müssen Träume bleiben. Auch wenn es schwer fällt.