Stephen Biesty  & Meredith Hooper
Jagd nach dem Gold
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Aus dem Englischen von Cornelia Panzacchi.

Hildesheim: Gerstenberg 2002.

ISBN 3-8067-4966-3.
48 Seiten.
14,90 €.

Ab 10 J.

 

Goldstück, Goldstück du musst wandern – und wir verfolgen den Weg vom geschmiedeten „Aurum“ in Ägypten bis zum gegossenen Westenknopf liefert ein- und dasselbe Stück Gold einen Vorwand, sich an einigen Geschichtsdaten etwas aufzuhalten.

Vom Nil bis nach New York

Das Storyboard ist im Anhang untergebracht: 19 Stationen hat die Reise des Goldklumpens – von seiner Entstehung im All über die erste Bearbeitung als ägyptische Totenmaske bis zum Talisman des Westenknopfes um den Hals von Louisa auf den Straßen von New York City.

48 Seiten sind für ein Bilderbuch recht viel, für ein Sachbuch recht wenig. Hier ist nicht nur diese Mischung gelungen. Der Bildanteil überwieg deutlich, zumal der Text integriert ist und das Bild auf jeder Doppelseite noch einige andere Bilder mit aufnimmt: In das Hintergrundbild hinein sind nach guter Sachbuch-Tradition weitere integriert, die weitgehend informatorischen Charakter haben. Das hindert allerdings Biesty nicht, auch dort kleine Gags oder Nebengeschichten zu verstecken (wie wir es auch von seinen anderen Büchern kennen: Die Burg, Das Schiff, Das Superbuch der technischen Wunderwerke – je Gerstenberg): Dem konzentriert arbeitenden Goldschmied wird hinten der Geldbeutel aus seiner Hose gestohlen; die Katze verlässt das sinkende Schiff; der Gold-Transportfahrer auf seinem Ochsenkarren greift nach hinten, um sich ein wenig persönlich zu bereichern; die Dohlen bauen ihr Nest in den Schornstein usw..
Wieder, auch das ein beliebtes Stilmittel, öffnet er maltechnisch Räume, damit man in diese hineinschauen kann, lässt Wände zum Teil weg oder Dächer, schiebt auch mal Grabkammern halb übereinander. Nie ist sein Standpunkt in Augenhöhe der Personen, er schaut ebenso oft aus der Frosch- wie aus der Vogelperspektive. So erhalten wir übersicht oder schauen verwundert ob der sich verzerrenden Linien, wenn wir mit dem Bild nach oben schauen müssen. Riesige Räume öffnen sich dann wie bei der Vogelsicht große Tiefen einsehbar werden, in der selbst noch viele Kleinigkeiten sicht- bzw. erkennbar sind.

Die scharfen chronologischen Brüche nimmt der Text auf. Unvermittelt endet er am Ende der einen und beginnt mitten in der folgenden Epoche. Und es gelingt, dass wir als Leser diese Sprünge wie ganz selbstverständlich mitmachen und uns erst am Storyboard am Ende wundern, dass wir tatsächlich 19 Etappen mitgegangen sind.

Mit dem Trick des Weiterreichens eines Gegenstandes eröffnen sich für uns mehr als 3000 Jahre Geschichte, und vielleicht fragen wir uns, welche Wege das Papier wohl schon hinter sich hatte, bis es mit diesem Druck uns erfreut(e).