Fulvio Testa:
Tony auf dem Land.

Gossau Zürich: Nord-Süd 2002.

ISBN 3-314-01219-5.
32 Seiten.
12,80 €.

Ab 8 Jahre.

 

Tony ist der typische Städter: Baseballmütze, Inliner, Sonnenbrille, Ghettoblaster, Nintendo und coole Blume im Mundwinkel. Aber zurzeit ist er auf dem Land und wartet auf den Bus.

Stadt trifft Land

Die drei „Landeier“ heißen Mark, Emma und Louis. Auch auf dem Land kennt man immerhin schon moderne Namen, auch wenn keiner der drei „Kevin“ oder ähnlich heißt. Am Ende der Geschichte gilt, dass jeder Part erheblich gegeben – aber auch bekommen hat. Und das kam so:
Die drei sind in den „Wiesen“, denn es ist ein schöner Tag. Der Hund darf mitkommen, ein Wanderstab wird gefunden und ein kleines Blumensträußchen gepflückt (Mädchen). Sie treffen auf den sehr anders aussehenden Städter Tony, der auf den Bus wartet. Aber der Bus kommt erst am Nachmittag. Eine vorsichtige Annäherung beginnt. Mark darf die gebundenen Inliner über seine Schulter gelegt tragen, Louis ist ziemlich begeistert vom Computerspiel des Fremden. Emma pflückt noch mehr Blumen. „Mh“, sagt Tony, „der gepflückte Apfel sieht ja fast aus wie vom Supermarkt.“ und „Das ist ja eine richtige Kuh.“ (Sehr witzig: Beide führen eine Blume am Stängel im Mund.)
Die Zeit geht dann auch schnell vorbei, der Bus kommt, Tony wird diesen Tag nicht vergessen, die drei anderen auch nicht.

Ein gutes Buch für Grundschüler - gibt es doch tatsächlich belegte Aussagen, dass Kühe lila seien und die Milch dementsprechend aus dem Supermarkt kommt, Tetrapack. Fulvio Testa packt die gerahmten (! - je andersfarbig) Bilder auf die rechte Seite, wie es sich für ein anständiges Bilder-Buch gehört. Und der jeweils kurze und überschaubare Text kommt getrennt linksseitig in richtig großer Druckform daher. Das schaffen auch schwache Leser, zumal die Dialog-Form auch ein gemeinsames Lesen (vier Personen + Erzähler) ermöglichen. Nur einmal wird leichte Kritik geübt (...stell bitte die Musik ab, sonst hörst du ja nicht die Vögel singen...). Ansonsten darf jeder bleiben, wie er ist.

Das Schlussbild verdient eine besondere Betrachtung:
Jeder erhält, was er noch nicht hatte: Tony stieg mit gepflücktem (nicht gekauftem) Blumenstrauß in den Bus, die anderen bleiben mit Gegenständen von Tony zurück: Emma mit Ghettoblaster (winkt mit weißem Taschentuch dem Bus hinterher), Mark erhält als Tragelohn die Inliner (sehr ungeschickt, noch), Louis spielt das Computerspiel sehr lässig mit linker Hand in der Hosentasche. Und der Hund? Marks Schuhe sind jetzt herrenlos... und der Wanderstock liegt auch noch nutzlos im Hintergrund. Und wohin schauen die vier?
Mark ist mit sich selbst beschäftigt (Inliner), Louis stiert auf das Gerät, Emma’s Blick hinter den Bus her können wir nur erahnen. Und der namenlose Hund?

Der trottet ganz genau auf mich zu mit dem Schuh im Maul und dem wedelnden Schwanz. Ja, was willst du denn, Kleiner, mh?