Peter Sís:  
Ein Hund für Madlenka.

Aus dem amerikanischen Englisch von Uwe-Michael Gutzschhahn.

München: Hanser 2002.

ISBN 3-446-20183-1.
36 Seiten.
14,90  €.

Ab 4.

 

Die Macht der Fantasie schafft nicht nur einen Hund, sondern gleich ganz viele. Das erfährt Madlenka in ihrem New York. Wieder ein tolles Bilderbuch von Peter Sís.

Fantasie in der Großstadt

Peter Sís teilt seine Geschichte in vier Teile. Der erste stimmt ein auf den Ort und das Mädchen, der zweite spielt mit sieben Pop-Ups, im dritten zeigt er uns auf drei Doppelseiten die Macht der Fantasie und im letzten sind wir dann nicht mehr sicher, was wahr ist und was nicht.
Durch rechtwinklige Straßen entstehen Hausquadrate (Blocks) mit Innenhof, die Sís durch eine Art Zentralperspektive aufstehen lässt, sie aber zugleich persifliert, indem er zwei weitere Perspektiven hineinarbeitet. In solch einem Block hinter einem Fenster mit aufgezogener Gardine wohnt Madlenka. Die darf von Beginn an farbig sein im ansonsten fast tristen Grau aus filigranem Federstrich (eine ziemliche Fleißarbeit). Auf ihren sehnlichen Wunsch nach einem Hund reagieren die Schatten von Mama und Papa stark abwehrend. Da lohnt wohl auch gar kein Argumentationsversuch. Also denkt sich Madlenka einen. Leine und Halsband sind rot – und raus geht’s mit den beiden, einmal um den Häuserblock und zurück. Stellt sie ihn sich nur vor, ihren Hund oder ist er einfach unsichtbar? Die Katze erschreckt sich vor ihm, die Tauben fliegen auf, die Hundeleine ist straff nach vorn gespannt und Madlenka wird fast fortgerissen.
Im Pop-Up-Teil kann man auf einer Blockkarte links oben immer verfolgen, wo sich das Mädchen gerade befindet (sie ist der rote Punkt) und wen sie gerade trifft. Alle Gespräche drehen sich um Hunde und wie ihrer wohl aussehen mag. Die Meinungen gehen da schon sehr weit auseinander.
Als Madlenka dann ihre Freundin Cleopatra trifft („Hi, ich habe ein Pferd. Komm, wir spielen im Hof“) darf die Wirklichkeit nur gerade noch einen Rahmen bilden – und mit Mutters Stimme („Madlenka! Komm nach Hause...“) muss sie sich durch die Schnee- und Eiswüste hereinkämpfen in das blaue Bild der Inuit und Nord-Indianer.

Das Mädchen eilt nach Hause mit ihrem Hund. Mit ihrem Hund? 27 folgen ihr und passen gar nicht alle durch die Tür!

Dass es sich nicht um einen Hund handelt, hat Sís bereits auf dem Titelbild klargemacht. Jeder anständige Bürger in New York scheint einen Hund zu haben (jedenfalls in Little Italy, wo Sís den Ort der Handlung bestimmt), ja, wenn jemand aus dem Fenster der hohen Häuser schaut, so ist es ebenfalls ein Hund. 114 Hunde sind auf dem Titelbild (wenn ich mich nicht verzählt habe), 34 Rassen zählt er auf der Anhangseite auf, wo auch die handelnden Personen noch einmal auftreten – inklusive Madlenkas Hund.

Er ist doch unsichtbar. Oder?