Claudine Desmarteau:
Alles steht oben geschrieben.

Aus dem Französischen von Thomas Minssen.

Zürich: Bajazzo 2003.

ISBN 3-907558-40-1.
32 Seiten.
11,- €.

Ab 5.

 

„Hast du mir mal zwei Euro, damit ich Bonbons kaufen kann? Es steht geschrieben, dass ich dich das fragen werde. – Ja, aber es steht auch geschrieben, dass ich ablehnen werde. – Schicksal ist doof!“

Also nutzt es nichts, aufzupassen

Der erzählende Junge heißt Philipp und hat eine offensichtlich fatalistische Mama und einen lieben Vater, der aber weniger lieb ist, wenn er zu viel von dem Bier trank, das er offensichtlich auch liebt – so wie sein Vater den Wein liebte und sein Großvater den Whisky. Warum das alles so ist? Das steht oben geschrieben, sagt Mama. Philipp sieht nicht, wo, aber es muss wohl stimmen. Alles scheint voraus bestimmt.
Als sein Freund dem Anton die Brille kaputt macht und Philipp den Polizisten klarzumachen versucht, dass alles nur vorher bestimmt sei, sind die Beamten wenig beeindruckt. Die beiden Jungen ernten die erste Backpfeife des Tages. Es folgt noch eine von Philipps Mutter, die ihren Sohn von der Polizeistation abholen muss, und dann noch zwei von seinem Vater, dem Philipp klarzumachen versucht, dass alles schon oben geschrieben steht, auch, dass er ruhig weiter so viel Bier trinken soll.
Da beschließt Philipp, von nun an auf das Schicksal zu pfeifen und dass nur noch er selbst entscheiden wird, was da oben geschrieben stehen wird. Bestimmt wird dort nicht stehen, dass er das Bier lieben wird.

So frech wie die Geschichte, so frech sind die Zeichnungen. Die Seiten sind ein-, manchmal zweifarbig grob grundiert, die menschlichen Figuren ähneln denen von Klein-Kindern, sind in der Tat aber hintergründig und nachhaltig in Anordnung und Aufbau.
Am Ende machen auch die Skizzen auf dem Einband einen Sinn: Handabdrücke verschiedener Größe, einige (leere) Flaschen und Gläser, ein stinkender Hundehaufen (in den Philipp trat und der auch sonst für Unbill des Lebens steht) und ein Bonbon – den er von seiner Mutter nicht bekam.

Wenn man sein Leben in die eigenen Hände nimmt, muss man sich auch Bonbons selbst besorgen. Dann hat man sie aber auch.