Maurice Sendak & Charlotte Zolotow:
Herr Hase und das schöne Geschenk.

Aus dem Amerikanischen von Eva Matta.

Zürich: Diogenes 1969, 2003.

ISBN 3-257-00815-5.
36 Seiten.
xx €.

Ab 03 Jahre.

 

Das kleine Mädchen sucht ein Geburtstags-Geschenk für ihre Mutter. Herr Hase hilft mit Rat und Vorschlägen. Links der lesefreundlich großformatiger Text, rechts die gewöhnungsbedürftigen Aquarelle.

Farben

Schöne Geschichten sind oft zugleich einfach. Das Mädchen bringt auf die Frage, was ihre Mutter gern hat, Farben ins Gespräch. Zunächst ist es Rot, dann Gelb, Grün, schließlich Blau. Wiederholungen sind die Würze in Bilderbüchern, das Wiedererkennen bereits beim ersten Zuhören. Wenn Vögel als Geschenk vorgeschlagen werden, folgt, dass Mutter diese nur auf Bäumen mag. Wenn Unschenkbares wie Himmel, Farbe als solche oder ein See vorgeschlagen werden, folgt, dass man das doch nicht schenken kann.
Das „kleine Mädchen“ findet aber dennoch mit der Hilfe von „Herrn Hase“ von jeder Farbe ein Geschenk, das Mutter bestimmt gern haben wird: rote Äpfel, gelbe Bananen, grüne Birnen und blaue Trauben. Einen richtig schönen Obstkorb bringt das Mädchen ihrer Mutter zum Geburtstag.

Mit Sendaks Bildern tun sich Erwachsene sowieso und häufig schwer, obwohl sich doch inzwischen herumgesprochen haben sollte, dass die Kinder sie lieben. Nicht zuletzt deshalb erhält er – zu Recht – 2003 einen halben Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis. Hier strichelt er nicht mit schwarzer Tinte, sondern aquarelliert, tuscht, zitiert Pointilismus wie Impressionismus, das „Frühstück im Grünen“ findet zu Zweit statt, wird sogar nur stehend von den beiden betrachtet, vielleicht auch nur, um den gelben Bananen ein Forum zu geben.

Schon hier (1962 gezeichnet) fehlt nicht die surrealistische Ebene bei Sendak, die zugleich im Text nachweisbar ist. Obwohl es sich eindeutig um ein Geschenk für die Mutter des Mädchens handelt, bleiben Hase und Mädchen unter sich. Es wird mit keinem Wort erklärt, erläutert, warum sie sich ausgerechnet mit einem „Herrn“ unterhält, der zwar auf den Hinterbeinen geht und menschlich gestikuliert, aber eindeutig ein unbekleideter Hase ist. Das Mädchen dagegen ist Sendak-typisch mit einem zwar klaren, hier noch jugendhaften Antlitz (so man es denn - selten genug - sieht) versehen, schaut aber (bis auf dem Schlussbild) ernst, fast erwachsen.
Sendak zeichnet sie nicht nur so, er nimmt seine Kinder auch ernst.