Birte Müller:
Auf Wiedersehen, Oma.

Gossau Zürich: M. Neugebauer 2003.

ISBN 3-85195-957-4.
32 Seiten.
14,80 €.

Ab 04 Jahre.

 

Ihre Großmutter ist gestorben. Jetzt sucht Felipa die Seele ihrer Oma. Zu Allerheiligen wird das traditionelle Fest gefeiert, und sie ist ihr wieder ganz nah.

Wo bleiben die Seelen?

„Dia de Todos los Santos (Vivos)“ ist das Fest der „Lebenden Toten“, das in vielen Staaten Lateinamerikas am 1. November (Allerheiligen) gefeiert wird. In der Nacht zum 2.11. feiern die Familien mit vielen Kerzen und mitgebrachtem Essen und Trinken mit den Gestorbenen, die für diesen Tag aus ihrer neuen Welt zurückkommen dürfen (auch: „Dia de los Muertos“).
Auf diesem Fest spürt die kleine Felipe, die mit ihrer Familie in einem Andendorf wohnt, endlich wieder die Nähe ihrer Großmutter, deren Seele sie zuvor vergeblich suchte. Ihr Esel konnte ihr nicht helfen, das Schwein nicht, auch die Lamas blieben stumm. Ihre Mutter vermutet die Seele von Oma oben in den schneebedeckten Bergen. Beinahe hätte diese Aussage zu einer Katastrophe geführt, aber Felipes Vater findet seine Tochter in der frühen Dunkelheit auf ihrem Weg zu diesen Bergen.

Birte Müller malt in Öl mit grobem Pinsel. Ihren Bildern (rechts) mit Text (links) folgt je eine Doppelseite ohne Text. Sie setzt Farben auch „gewagt“ aneinander, Felipes Gesicht ist gelb und rot und blau und türkis und umbra und grün, die gewebten Umhänge und Tücher sind Rot mit vielen kleinen bunten Mustern und stilisierten Tieren. Auch die kärgliche Landschaft ist voller Farben, selbst die hohen Felsen sind nicht einfach grau, zeigen vielmehr Braun- und Rottöne, sind gelblich oder weiß mit blauem Schimmer.
Als das Fest „Todos los Santos“ beginnt, darf auch ein Junge sich auf die Textseite hinüberlehnen und alle ziehen fröhlich nach oben auf den Friedhof auf dem Berg. Dort sind sich Mensch und Seele dann ganz nah.
“Auf Wiedersehen, Oma, bis nächstes Jahr“, sagt Felipa und schaut ganz weit nach oben, noch über die Berge in den dunkelrot-braunen Himmel.