Anne Herbauts:
Die Stunde des Herrn Blau.

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel.

Düsseldorf: Sauerländer bei Patmos 2003. 

ISBN 3-7941-5002-3.
32 Seiten.
13,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Herr Blau schiebt sich zwischen den König der Sonne und der Königin die Nacht. Eine Stunde trennt nun die beiden zänkischen Streiter, die sich lieben mögen, doch ... Sie konnten zusammen nicht kommen ...

Zwei? Vier Königskinder!

Doch wie der Tag nicht zur Nacht kommen kann, so wohl auch nicht der Herr der einen blauen Stunde am Abend zur Prinzessin der Morgenröte.
Anne Herbauts stellt uns zunächst nur die beiden Erwachsenen vor: grimmig, mächtig, groß, stark und trotz seiner hellen gelben und roten Farben sehr einschüchternd der König der Sonne, der Tag – dunkel und mit weißem Kopf auf sehr zerbrechlichem Hals mit einem Sternenstab die Königin der Dunkelheit, die Nacht. Warum Herr Blau erscheint, wird nicht erklärt, und auch nicht, wie lächerlich er wirkt mit seinen Stelzen, dem Fingerhut-Hut, der Nähnadel in seinem Schal und dem leeren Buch in seiner Hand. Er wird von den beiden Mächtigen sofort vertrieben: Hier hast du nichts zu suchen!
Dennoch schiebt er sich zwischen die beiden Streithähne, trennt sie durch eine blaue Stunde auf einer Doppelseite, auf der links die Biene fliegt und der Mohn leuchtet und der Vogel auf dem hohen Baum singt und rechts die Bäume ineinander fließen vor dem blass-kalten Himmel und den tiefen Sternen.

Bis dahin war Herr Blau ein freundlicher Mittler zwischen den Hauptpersonen. Nun wird er selbst zum Betrachtungsobjekt. Was macht er eigentlich in den restlichen 23 Stunden? Steht er wirklich verborgen in alten Baumstämmen oder Laternenmasten bis seine Zeit kommt? Hat er so gar kein Bedürfnis nach Kommunikation, nach Zärtlichkeit, Anerkennung?
Phantastische Vögel erzählen von der herrlichen Prinzessin der Morgenröte. Als er sie das erste Mal – „hell wie eine Lilie“ – sieht, legt er eine weiße Blume in sein leeres Buch und presst es an sein Herz. Seitdem kann man ihn, als Reiher verkleidet, manchmal im tiefen Nebel stehen sehen.

Verzauberte, zauberhafte Bilder hat uns Anne Herbauts gemalt; in ganz vielen unterschiedlichen Blautönen entsteht die Welt des Herrn zwischen Tag und Nacht, der sich wohl nichts sehnlicher wünscht, als mit der Frau zwischen Nacht und Tag zusammen sein zu können. Sehr romantisch und gar nicht kitschig.

Die Utensilien werden im Bucheinband vor weißem Hintergrund in Schwarz vorgestellt: Fingerhut und Nadel, Rabe und Rose, Blume und Stern, Buch, Vogel und Krone. Die Personen nicht. Die gibt es ja auch gar nicht, oder?