Alexander Sturgis & Lauren Child:
Peters Engel
und die Geheimsprache der Bilder

Aus dem Englischen von Nicola T. Stuart.

Hildesheim: Gerstenberg 2003.

ISBN 3-8067-5034-3.
36 Seiten.
12,90 €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Klassische Bilder für Kinder? „Schinken“ sagten wir früher dazu, bis wir begriffen, was die wirklich waren. Das dauerte manchmal lange. Hier wird versucht, dieser Fehlentwicklung vorzugreifen.

Fra Angelico’s Schutzengel

Die Rahmenhandlung ist zugegebener Maßen etwas konstruiert. Ein kleiner Mensch namens Peter möchte gern Detektiv sein, und mit der Entdeckung des Kunstmuseums geht eine phantastische Reise los, in der ihn der Engel Gabriel aus Fra Angelico’s „Verkündigung“ (um 1432 gemalt) begleitet, leitet – wie uns Leser / Anschauer auch.
Der Engel führt Peter (und uns) in die Welt der Symbolik auf den Bildern ein. Peter, erst einmal (so als Detektiv) auf die Fährte gesetzt, wittert hinter diesem und jenem ein Symbol – und liegt auch meistens richtig. Öfter überrascht er gar den Engel (und uns natürlich auch) mit seinen Vermutungen, dass zum Beispiel Liebe (Venus) stärker ist als Krieg (Mars) (Boticelli).

Peter wie Gabriel bewegen sich vor grünen bis grünblauen Wänden, an denen die Bilder – gekonnte Nachahmungen (oder eingepasste Fotos) – in mehr oder weniger stümperhaften Rahmen hängen. Beides steht unmittelbar nebeneinander: die simplifiziert gemalte, gezeichnete Wirklichkeit steht gegen die genaue, vergoldete, akribische Welt der Bilder voller Symbolik und Spannung.
Ein toller Bogen wird hiermit aufgezogen, eine verkehrte Welt für die Zeit des Anschauens, wobei Skateboard und Katze (running symbol) wie Peter dem Text nach zu uns gehören, dem Bild nach aber zur vergröberten Fantasie. Der Engel Gabriel wie alle Bilder wurden jedoch wahr - scheinlich gemalt. Bis der Museumswärter die Welt wieder gerade rückt.

Kinder ab vier sind schier beeindruckt vom güldenen Engel wie vom Meeresungeheuer und dem schlafenden Mars und den ihn umgebenden kleinen Faunen. Und sie finden auch ohne Text heraus, dass ein Bild die Zeiten, das zeitliche Hintereinander-Stattfinden, negieren kann.
Ihre Zeit ist noch nicht geglättet in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.