Antonio Skármeta:
Der Aufsatz.

Aus dem chilenischen Spanisch von Willi Zurbrüggen.
Mit einem Nachwort von Gudrun Pausewang.

Hamburg: Dressler 2003.

ISBN 3-7915-1910-7.
64 Seiten.
12,90 €.

Ab 05 Jahre.

 

 

Es ist noch nicht lange her, da wurden auch auf deutschem Boden Kinder von den Mächtigen ausgehorcht, um einen Grund zu finden, deren Eltern zu verhaften. Hier sind wir im Chile der Militärdiktatur.

In der Diktatur

Pedro Malbrán ist neun Jahre alt und wird von allen im Viertel nur „Chico“ gerufen, denn er ist wirklich sehr klein für sein Alter. Während des Fußballspielens werden er und seine Freunde Zeugen, wie Daniels Vater von Soldaten „abgeholt“ wird, denn Daniels Vater ist gegen die Diktatur.
Zu Hause fragt Pedro seine Eltern, ob er selbst auch gegen die Diktatur sei. „Kinder sind gegen gar nichts. Kinder sind einfach Kinder. Kinder in deinem Alter müssen nur zur Schule gehen, viel lernen, ganz viel spielen und lieb zu ihren Eltern sein.“ antwortet seine Mutter.
Aber so einfach ist das Leben nicht. Ein Hauptmann erscheint in der Schule, alle sollen einen Aufsatz schreiben mit dem Titel: Bei uns zu Hause ...
Als er zu Hause erzählt, was er geschrieben hat, meinen seine Eltern, sie sollten sich wohl besser wirklich ein Schachspiel anschaffen. Besser ist besser, falls jemand mal nachgucken kommt.

Jacky Gleich hat aus dieser Geschichte ein Bilderbuch gemacht, denn die vielen Illustrationen stehen fast gleichberechtigt neben und in dem Text. Sie schafft es, die Freude und Leichtigkeit beim Spiel zu zeigen und gleich anschließend die Bedrohung, die von den Uniformen ausgeht, wenn sie eine sehr tiefe Perspektive wählt, in der wohl noch die Kinder zu sehen sind, von dem Furchtverbreiter aber nur die Stiefel und ein Teil der Uniformhose. Die Menschen scheuen sich, normal zu schauen. Entweder sind die Augen gesenkt oder sie starren ins Leere, verstecken sich hinter Brillen. So auch die des Soldaten, als man sein Gesicht sieht, das plötzlich eine ganze Seite einnimmt: kantig, brutal, die Augen unter der tief gezogenen Mütze und hinter einer fast schwarzen Sonnenbrille versteckt.

Dass die Kinder dennoch nicht vor Angst erstarren und ihr spielerisches Erwachsen-Werden in einer immer schlimmer werdenden Zeit kaum einen Schaden zu nehmen scheint, ist eins der Wunder, die (wir) uns bewahren sollten.