Heike Ellermann:
Der dritte Bär.

Oldenburg: Lappan 2003.

ISBN 3-8303-1042-0.
32 Seiten.
12,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Ein Bilderbuch über Rassismus und gegenseitiges aufeinander Angewiesensein. Hier spielen zwei Braunbären, ein Panda und ein Dachboden.

Ein Lehrstück über Rassismus

Es handelt sich allerdings bei den dreien um Teddy-, bzw. Plüschbären, die auf dem Dachboden ihr Dasein fristen, nachdem sie ihren Dienst als Kuschelbären erledigt hatten.
Zunächst sind es nur die beiden braunen Teddies, die in ihren Erinnerungen schwelgen und die Nutzlosigkeit ihres jetzigen Daseins gar nicht so recht begreifen können. Als durch die Bodentür der Panda herein geworfen wird, haben sie jemanden, an dem sie ihren Frust auslassen können. Verletzenden Worten folgen ebensolche Taten: Panda liegt verletzt in einer Ecke des Bodens. Wer weiß, was noch alles passiert wäre, wenn er nicht bald gebraucht würde: Nur zu dritt sind sie übereinander groß genug, um die Dachluke gegen den Gewittersturm und Regen schließen zu können.

Heike Ellermann arbeitet wieder mit Fotos, die sie mit Kreide und Collagen verfremdet. Die Bilder sind je doppelseitig, der fast stakkatohaft hingeworfene kurze Text ist in die Bilder integriert. Auch für die Erwachsenen hat die Autorin Einiges zum Gucken und Schmunzeln in ihre Bilder eingebaut: Kinderfahrradhelm auf einem Karton mit der Aufschrift „Harley-Davidson“, ein ausgedientes Bild von Karl Marx hängt (!) an der Bodenwand, ein bestimmt persönliches Foto der 50er-Jahre zeigt ein Mädchen mit einem Teddy im Arm, mitten im Gerümpel steht eine Toilette samt Spülkasten, auf dem Bild des verletzten Pandas ist auch ein Krankenwagen von Playmobil zu sehen, eine Gitarre und ein schwaches „NO“ an die Wand gekritzelt und auf der leeren Wäscheleine vom Bild 1 hängt später Unterwäsche – waren zwischendurch Menschen oben, die wir nicht bemerkten, so wie wir die Bären wohl nicht bemerkten, wenn es unser Boden wäre?
Unklar ist, warum die beiden Braunbären sich durch ein grünes bzw. blaues Halsband unterscheiden, denn sie bilden ja einen Typus, der sich eben nicht oder kaum individuell vom anderen unterscheidet – oder soll gerade das damit ausgesagt werden?

Die Situation ist einfach genug, dass sie auch von Kindern ab drei Jahre gut zu begreifen, nachzuvollziehen ist. Dazu trägt auch das letzte Bild mit bei: Es zeigt die Dachlandschaft von außen, so wie wir sie von einem Hochhaus sehen. Als hätte uns jemand ein Theaterstück aufgeführt, das wir nun zu Ende denken sollen. Gut so.