Anthony Browne:
Das Formenspiel.

Aus dem Englischen von Peter Baumann.

Oldenburg: Lappan 2003.

ISBN 3-8303-1069-2.
32 Seiten.
12,90  €.

Ab 03 Jahre.

 

 

Ein Besuch der Familie in der Tate-Gallery in London ist nicht notgedrungen ein Erfolg für Vater und die beiden Söhne. Wenn Anthony Browne diesen Tag zeichnet, dann schon.

Malen. Kreativ.

In fast jedem Bild zeichnet Browne Dinge, die isoliert vielleicht so aussehen mögen, die aber da bestimmt nicht hingehören: Ein Zeigefinger als Obelisk, eine korinthisches Kapitel als König mit zu großer Krone, Felsen als Elefanten, zerknitterte Hüte als ebensolche Gesichter. Er lässt Betrachter der Galerie in wie außerhalb des Rahmens seines Bildes stehen, ein Löwe darf dem Bild entkommen (und ein Schwanzende haben, das ziemlich deutlich der Kopf einer Gans ist).
Ein eigenes Bild dieser Art ist das beliebte „Original und Fälschung“: Napoleon als Vater, Hut als Katze, Seil als Kobra und Tau als Bär, Welle als Mund, Eistüte als Pfriem, das er um zwei Ecken erweitert in dem Nachmalen des schon ironisier- und zitierenden Bildes von Peter Blake (...have a nice day, Mr. Hockney).

Neben dieser Ebene werden auf den Bildern auch Originale gezeigt und zum Teil inhaltlich aufgegriffen (Könnte eine derartige Schlacht-Szene auch in unserer Straße stattfinden? Welche Hinweise gibt das Bild auf die mögliche Fortsetzung der gezeigten Szene?)
Den Vater zeichnet Browne (wieder einmal) als eine fast lächerliche Gestalt, obwohl er letztlich doch wirklich sympathisch, witzig und liebenswert ist (ironische Selbstdarstellung?). Die Mutter ist gegen den mächtigen Vater zunächst klein und unscheinbar, wächst aber innerhalb des Buches, da sie die treibende Kraft des Museums-Besuches ist.
Sich selbst zeichnet er als unscheinbaren Jungen, aber auch vor seinem Zeichentisch als Erwachsenen, der er ja inzwischen längst ist.

Ach ja, der Titel des Buchs. Browne erklärt uns das Formenspiel zum Schluss eher beiläufig (nachdem er es mehrfach auf seinen Bildern selbst gespielt hat). Es geht so: Der erste malt mit seinem Farbstift irgendeine geschlossene Form. Der andere macht mit seiner Farbe daraus, was er will – Ente, Harfe, Ungeheuer, Nasenpopler. Und umgekehrt.

Schulbibliothek. Kunstunterricht. Interpretationen im Deutschunterricht.