Gotthold Ephraim Lessing / Barbara Kindermann  / Maren Briswalter:
Nathan der Weise.

Berlin: Kindermann 2003.

ISBN 3-934029-15-9.
36 Seiten.
15,50  €.

Ab 10 Jahre.

 

 

Ein hoffnungsvolles und nach wie vor hoch-aktuelles „dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen“ als Geschichte in einer Gradwanderung zwischen heutiger und altertümlicher Sprache.

Nathan

Junger Christ rettet jüdische junge Frau aus dem brennenden Haus, nachdem ihm sein eigenes Leben und seine Freiheit– unwissend warum – vom moslemischen Sultan geschenkt wurde. Es stellt sich gegen Ende heraus, dass untereinander verwandtschaftliche Bande zwischen fast allen Beteiligten herrscht.
Das könnte fast Boulevard-Theater sein, wenn nicht der ernste Hintergrund auch heute noch derart aktuell wäre. Leider gibt es heute aber keinen von Lessing geformten Nathan, keinen Saladin seiner Prägung, keinen dankbaren Klosterbruder, der eine drohende Intrige verhindert.

Barbara Kindermann erzählt, nimmt kursiv abgedruckte Teile des Originals mit auf (schade, dass nicht der gesamte wunderbare Beginn der Ringparabel zitiert wurde), in einer flüssigen und dennoch altertümlich anwirkenden Sprache. Es ist schwierig, die enge Situation der drei Religionen mit den gleichen Wurzeln von einem Deutschland aus zu sehen, wenn man die geschichtlichen Hintergründe noch nicht kennt. Durch die Form des Bilderbuchs wie eben diese Sprache wird es ein wenig einfacher.

13 ganzseitige Bilder, einige halbseitige sowie eine Reihe von Einzelillustrationen geben dem Text Gesichter: Innenhöfe, Oase, flache hohe Gebäude, die mit ihren Arkaden Schatten spenden, Karawanen, Personen, die sich in diesem Umfeld entbreiten dürfen: Saladin immer in kniehohen Stiefeln, Nathan mit Turban und weitem Umhang, Recha leichtfüßig, der junge Tempelherr mit Schwert und Kreuz. Die Illustratorin verwendet bräunliche Wüstenfarben wie gedeckte Farbigkeit der Kleidung. Die Menschen sind oft klein, tief, unten in ihrer unmittelbaren Umgebung. Religion hat etwas mit Gott zu tun. Der ist in allen drei genannten „oben“ angesiedelt, auch wenn er kaum erwähnt wird.
Die Menschen sind es, um die es sich dreht, und ihr verantwortliches Handeln.

Wieder eine sehr gelungene Adaption eines klassischen Textes durch Barbara Kindermann.