Sergej Prokofjew & Frans Haacken:
Peter und der Wolf.

Aus dem Russischen von Lieselotte Remané.

Weinheim Basel: Beltz 2003.

ISBN 3-407-79318-9.
o.pag.
14,90  €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Qualität ist Qualität: Peter und der Wolf als Bilderbuch in der Fassung von 1958 in Bild und Schrift (dort mit leichten Zugeständnissen an die neue Rechtschreibung). Schön, dass es so etwas noch gibt.

Peter, Katze, Vogel, Wolf

Prokofjews Idee, die handelnden Personen nicht nur mit einem musikalischen Thema, sondern zugleich mit einem bestimmten Instrument zu identifizieren, ist wie alle großartigen einfach – oder umgekehrt. Fagott ist natürlich Großvater, der Vogel wird durch die helle Flöte symbolisiert, der Wolf durch die Hörner, die Jäger durch die schweren Pauken, die leichte Geige, verspielt aber auch immer führend, der Peter. Der nimmt es mit Hilfe des Vogels mit dem Wolf auf, fängt diesen und führt ihn dem Zoo zu. Das Schicksal der als Ganzes verschlungenen Ente wird nicht weiter untersucht, die scheint sich – zunächst einmal – wohl zu fühlen im Bauch des Wolfes. Die Katze als erfolglosem Vogeljäger wird auch nicht weiter betrachtet. Ja, wo führt das denn hin, wenn alles ein nachvollziehbares glückliches Ende nähme?

Der Text ist vornehm kurz, ja fast zurückhaltend, in sehr kurzen Zeilen, lyrisch nicht nur gesetzt, sondern auch im Inhalt. Und wunderbar altmodisch: Sammetpfoten, behutsam, Flinte, Triumphzug.

Die Bilder auf den rechten Seiten (Bilderbuch!) sind deutlich in Schwarz und Weiß hergestellt und anschließend sparsam an einigen Stellen koloriert: Peter in zurückhaltendem Rot, Baum und Schilf und Jäger in Grün, Katzenauge und Mond in Gelb. Für Holzschnitt etwas zu fein, für Radierung (zum Teil) zu grob. Auf dem ersten Höhepunkt fokussiert das Bild das weit geöffnete Maul des Wolfs mit riesig großen weißen spitzen Zähnen, die Ente – mit dem Hinterteil schon verschlungen – ergibt sich in ihr Los, schließt die Augen, hebt die Brauen und vergießt noch eben einige Tränen, während ihre leicht gehobenen Federn wie Widerhaken wirken, die das Verschlungenwerden noch zu verhindern suchen – vernichtend klein gegen die Macht der weißen Reißer.

Ja klar, Peter und der Wolf darf nirgendwo fehlen, wo Bildung einen Wert hat, am besten im - wie hier vorliegenden - Original. Für Kinder ab vier Jahre absolut zu empfehlen, aber am besten nur – hier also nun doch der Wermutstropfen – wenn irgendwo nicht weit weg die Musik spielt. Sie gehört nun einmal dazu.

P.S. Es gibt diverse Veröffentlichungen von gesprochenem Text und Musik. Die mir bekannten von Reinhard Mey bzw. von Loriot entfernen sich im Text leider stark von der Originalversion, haben je zwar auch ihren Reiz, aber eben nicht jenen. Meine alte kleine LP (mit der jungen Romy Schneider als Sprecherin und und dem ebensolchen Herbert von Karajan mit dem Philharmonia Orchester London) kann ich zwar noch in die Hand nehmen, aber leider nicht mehr hören.
Lieber Beltz Verlag, ...