Katja Kamm:
Das runde Rot.

Zürich: Bajazzo 2003.

ISBN 3-907588-44-4.
32 Seiten.
9,90  €.

Ab 02 Jahre.

 

 

Das runde Rot ist Mittel für einen Reigen besonderer Art: Ball, Apfel, Rad, Schallplatte, Japan, Lolli, Jojo, Ball.

ROTES RUND

Katja Kamms Geschichte kommt ohne Worte aus. Sie beginnt mit einem großen, zentrierten rot ausgefüllten Kreis vor einem hellgelben Hintergrund. Zwei ausgestreckte Arme greifen von unten in das zweite Bild und machen aus dem Kreis damit einen Ball. Ein herunterfallendes Blatt bleibt hängen, das Mädchen trägt einen Apfel vor sich her, den ihr ein düsterer Priester warum auch immer fort nimmt und einem Hund zu wirft. Dieser trägt ihn zu einem Auto, das Blatt fällt ab, der Kreis ersetzt das defekte Autorad. Gestohlen wird es von einem Mädchen (im Hintergrund repräsentieren drei Clowns mit roter, gelber, grüner Nase die Ampel, vor der das Auto hält), das so gern tanzen möchte. Die rote Schallplatte dreht sich auf dem alten Grammophon, die unwillige Katze muss für ein Tänzchen herhalten. Aus dem fast altertümlichen Schallplattenständer wird der Kreis gestohlen, wohl ein Japaner (roter Kreis auf weißem Grund) macht aus ihm einen großen Lolli und kurz darauf ein Jojo. Das Band reist ab, der Kreis fliegt durch die Luft just zu einem Mädchen, das die Arme ausstreckt, um den roten Ball zu fangen.

Eine einfache Geschichte um einen roten Kreis. Er ist die Hauptfigur, die die Personen des Reigens zu einfachen Boten, Weiterträgern degradiert. Er allein erzählt seine Geschichte. Die Figuren sind bewusst kindlich gestaltet, zeigen aber sehr wohl ihre Emotionen. Die Doppelseite wird horizontal zweifarbig getrennt, der untere Teil ist zumeist heller als der obere, die Horizontlinie schafft mal einen sehr hohen Himmel, mal eine tiefe Wand. Die Schrift im Schmutztitel wie im Impressum und in der Vita von Katja Kamm ist handschriftlich krakelig, so, als ob jedes Kind dies Buch hätte erschaffen können.

Ganz falsch. Hinter vielem Einfachen steckt ein Abstraktionsprozess, den man allenfalls erahnen kann. Und Mut, das Ergebnis zu zeigen.

Ein für zweijährige Kinder wie für mittel- oder sogar alte Menschen sehr anguckenswertes, sehr humorvolles und sehr gelungenes Buch, Frau Kamm!