Alain LeSaux & Grégoire Solotareff (Bildauswah):
Das kleine Museum.

Frankfurt: Moritz 2003.

ISBN 3-89565-150-8.
310 Seiten.  16,80  €.

Ab 05 Jahre.

 

 

Fast 150 Museumsbilder, falsch: kleine Ausschnitte aus eben denselben liefern eine ganz eigene Sicht auf unsere ästhetische Kultur. Jetzt auch als „Flexcover“ erschienen.

Das Schöne im Detail

Der Erwachsene ist zunächst enttäuscht, weil er wohl das eine oder andere Bild so ungefähr in Erinnerung hat, aber nicht genau weiß, auf welchen Teil sich der Ausschnitt bezieht. Also: Spurensuche. Wo habe ich denn meinen Hopper? Ach da, aber das Bild, auf das sich der Ausschnitt bezieht, ist gar nicht drin. Internet also...

Zwei Stunden und 20 Gesamtansichten später: Ja, was tust du denn eigentlich? Da ist ein hervorragendes Bilderbuch vor dir, das dir ebenso hervorragende Ansichten gibt, die du bestimmt noch nie (so) gesehen hast. Nun schau doch mal durch das Auge des Kindes! Das macht – alphabetisch nach Themen geordnet (nach Bart kommt Baum, auf Kampf kommt Kanu, vor Rochen ist Ring – einen Gang durch die verschiedensten Mal-Epochen. 87 Künstler werden zum Schluss genannt, zum Teil mit einem, selten mit vier oder gar fünf Bildern (Bildausschnitten) vertreten.

Der Reiz des Buches liegt nicht nur darin, dass die Originale verschwiegen werden, dass es auch für Erwachsene nie gesehene Bilder zeigt, die doch dem Titel und dem Künstler nach offensichtlich zum Teil sehr bekannt sind. Er liegt auch in der Anordnung, die sich ihre Beliebigkeit durch einen mehr oder weniger gewollten Titel und jener alphabetischen Anordnung gibt. Zweifach wird erwachsenmäßig vermieden, eine gewollte innere Struktur zu geben. So gibt nicht nur der Ausschnitt, sondern auch die Zufälligkeit der Aufeinanderfolge Gesprächsstoff.

Die exakt quadratischen Bildausschnitte sind je auf der rechten Seite, links ist nur wenig Text: groß und zentral der Titel (Krug), darunter, fast als Fußnote, der Künstler (Diego Velázquez) mit seinen Lebensdaten (1599-1660) und darunter der Titel des Werks („Apoll in der Werkstatt des Vulkanus“ (Ausschnitt)), Erstelljahr (1630) und wo man das Original besichtigen kann (Prado, Madrid).

Klasse! Obwohl eine wenn auch noch so kleine Schau der Originale (vielleicht je 25 Bilder auf eine herauszuklappende Seite) schon ihren Reiz hätte.