Judith Loske:
Sadakos Kraniche

Bargteheide: Minedition 2011

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-138-8
46 S * 12,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Eine wichtige Erinnerung an ein schlimmes Ereignis: Ein Mädchen stirbt 10 Jahre nach dem Abwurf der Atombombe, obwohl sie dabei ist, Papierkraniche zu falten. Eine alte Legende besagt nämlich, dass man nach der 1000 Faltung einen Wunsch frei habe. Das schafft Sadako aber nicht.
Die sehr eindringlichen Bilder leben vor allem von der Darstellung der Gesichter, die durch einen Bogen bestimmt wird, der von einer Schläfe ausgeht, die Nase entlangläuft und leicht dunkler gefärbt ist.

1000 Kraniche

Die Katze erzählt. Sie berichtet von ihrer Freundin Sadako Sasaki, die «im August des Jahres 1945» im Garten liegt: links ein Blütenbaum, rechts eine japanische Kiefer – ein fast traditionelles japanisches Bild. Die beiden lassen es sich gut gehen mit Reisbällchen und Faulenzen im Gras. Die Grillen lassen sich nicht fangen von dem erst zweieinhalbjährigen Mädchen. Eine Idylle.

Die wird jäh unterbrochen durch eine «riesige schwarze Wolke», ein Bild, das Kinder vielleicht besser verstehen als den Blitz, gefolgt von dem sehr ästhetischen Atompilz mit den gemeinen nicht sichtbaren Folgen. Der Zerstörungssturm nach der Zündung, das Vakuum, das sich anschließend wieder füllt – das ist ein Szenario, das für diese Geschichte verständlicherweise nicht taugt und somit durchaus nicht beschrieben werden muss. Wir erleben den gemeinen Teil der Atombombe, die Zerstörung von Genen, der Entwicklung von Krebs bei Erwachsenen und besonders bei Kindern und damit von Zukunft. Welcher Erwachsene weiß, welche Zigarette den Lungenkrebs vor wie vielen Jahren verursachte? Tückisch und ungerecht auf völlig Unschuldige legt sich der Krebs. Da mag man noch so viel zu bedenken geben, welche Leiden auf das japanische Volk noch gekommen wäre, wenn der Zweite Weltkrieg im Osten nicht mit diesem Paukenschlag beendet worden wäre.
Das Bild der großen schwarzen Wolke ist anschaulicher, und den Zeitsprung von zehn Jahren anhand von einigen «Fotos» der kleinen Sadako hin zu der 12-jährigen Bettlägerigen nehmen wir betroffen an. 

Der Text ist sehr eindringlich, aber noch mehr berühren uns die Bilder. Wir sehen die immer schwächer werdende Sadako im Krankenbett. Sie liegt am Tropf, ihre erzählende Katze liegt weit unten neben ihren Füßen und scheint sich um sie zu sorgen. Verteilt auf dem Bild sind Origami-gefaltete Kraniche. Sie will doch nur einfach weiterleben, bis ihre Zeit dereinst gekommen sein wird! Aber insgeheim wissen wir es und weiß es auch Sadako, dass ihre Zeit viel früher gekommen sein wird durch ihr Zusammentreffen mit den Folgen der Atomspaltung. 

Ihre Origami-Faltung der Kraniche führte zu einer weltweiten Nachahmungsaktion, der gefaltete Kranich wurde zu einem Symbol gegen die Nutzung von Atom-Spaltung – in welcher Form auch immer. Wie man diese Kraniche faltet, findet man allerdings nicht auf der im Buch genannten Seite, sondern auf: http://www.minedition.com/de/bl/24.pdf . Ein kleiner Papierkranich macht zwar keinen Sommer, aber viele Papierkraniche sind ein Argument gegen die Gefährdung der Atomspaltung.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en