Alexander Hoch & Lukas Kummer:
Gotteskrieger. Eine wahre Geschichte aus der Zeit der Reformation

Köln: TintenTrinker 2017

www.tintentrinker.de

ISBN 978-3-946401-08-7
156 S * 20,00 € * ab 12 J

 

 

 

 

Münster ist die Täuferstadt, die 1535 von einem Heer aus Christen unterschiedlicher Glaubensrichtungen belagert wird. Geschichte »von unten« für Lesefaule / Graphic Novel Leser.

Zuende- / Weitergedacht

Nachdem deutlich wurde, dass Martin Luther keine Revolution, nicht einmal eine wirkliche Reformation des christlichen Lebens wollte und der Aufklärung durchaus skeptisch gegenüberstand, bildete sich in einer kleinen Stadt ein Gegenzentrum. Ein äußeres Zeichen ist als erklärtes Ziel die Verneinung der Kindstaufe. Die Menschen sollen sich in einem Alter für (oder gegen) das Christentum selbst entscheiden können, wenn sie die Folgen auch zu tragen gewillt sind. Die „Anderen“ nennen sie etwas abschätzig „Wiedertäufer“, da die ersten, die sich zur Erwachsenentaufe entschließen, ja bereits im Kindesalter getauft wurden. Schnell entwickeln sich in diesem überschaubaren Raum Machtstrukturen, die – aus heutiger Sicht – ihre Ziele selbst verraten. Hier einige Beispiele aus dem Buch: »Es ist verboten, den Anführern nicht zu gehorchen.« »Ehefrauen ist es verboten, ihren Männern zu widersprechen.« Und vor allem: »Wer aber die heiligen Regeln bricht, der soll schwer bestraft werden.« Die Belagerung der Stadt durch die (katholischen wie reformierten) Streitkräfte, der Verrat und die Eroberung von Münster bilden die Handlungsebene.

Erzählt wird nicht rein fiktiv. Der Autor hat sehr gut recherchiert, beruft sich in erster Linie auf die Aufzeichnungen des Schreiners Heinrich Gresbeck aus dem 16. Jahrhundert, die er durch diverse historische Quellen erweitert. Dabei erfindet er aus Gründen der Dramaturgie weitere Personen, die zwar fiktiv, wohl aber historisch möglich dargestellt sind.

Die Verkürzung der zu transportierenden Geschichte auf kurze Sprachtexte, die zumeist 6 bis 7 Bildern pro Seite umfassen, dürfte nicht ganz einfach gewesen sein, die passenden rund 700 Bilder auf 121 Seiten zu zeichnen nicht weniger. Lukas Kummer setzt dementsprechend vor allem Personen in Szene, nutzt ein 3x3-Schema pro Seite, fügt einige Bilder über zwei oder drei Spalten (selten größer) und trennt sie durch weiße Rahmen. Alle Bilder sind so gefärbt, dass monochrome Flächen entstehen, die dennoch Schatten und Lichteinfall und damit auch Räumlichkeit verstärken. Eingeschobene Sachinformationen verlieren ihre Farbe und sind somit deutlich erkennbar.

Wir haben hier nicht nur eine Graphic Novel vor uns, sondern durch den ausführlichen Anhang wie durch die Zeichnungen auf Vor- und Nachsatz ein ebenfalls sehr informatives Sachbuch. Es setzt einen ganz anderen Aspekt in das Lutherjahr 2017 als es viele andere Veröffentlichungen machen. Sehr gelungen!

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en