Babett Jacobs & Julia Gerigk:
Antonelli
mein bester Freund

Würselen: Jacobschildrensbook 2017

www.jacobschildrensbook.com

ISBN 978-3-00-056876-3
48 S * 12,99 € * ab 04 J

 

 

 

 

Sehr minimalistisch und voller Achtung und Liebe vor der Kreatur wird aus der Sicht des „Herrchens“ das kurze Zusammenleben mit einem gar nicht „süßen“ Hund erzählt und gezeichnet. Toll.

Die Kunst des Weglassens

Wenn man es recht bedenkt, macht der Hund nur Arbeit und Unfug, kaut auf den Hauspantoffeln herum oder knabbert an den Hosenbeinen, jault in der Nacht, anstatt zu schlafen. Dabei ist er eher träge als lauffreudig und wächst, dass man dabei fast zusehen kann. Die großen Pfoten hat er schon als Welpe, auf seine gesunden und festen Krallen könnte die eine oder andere Frau fast neidisch werden. Antonellis Körper ist Muskelmasse pur, seine Ohren hängen zumeist herunter und flattern, wenn er sich denn mal bewegt. Das Auffälligste an Antonelli aber sind seine stark gefurchten Gesichtsfalten, die sich gegen seinen ansonsten straffen Körper abheben. Sie schreiben selbst dem Welpen schon ein Methusalem-Alter zu und lassen ihn durch die herabhängenden Lefzen und die starken Augensäcke immer ein bisschen traurig aussehen.

Hält all das eine Hundeliebhaberin ab, sich in solch einen Hundekerl zu verlieben? Nein. Macht sie alles für ihn, wacht in der Nacht und krault ihn? Ja. Badet sie den kleinen Welpen in einem Schaumbad, dass ihre eigene Kleidung nur so vor Nässe tropft? Ja. Kann sie ihm überhaupt jemals böse sein? Nein. Nicht einmal, als er – allein zu Hause gelassen – den größten Teil der Sitzmöbel und Kissen unbenutzbar macht? Nein.
Gegen Ende der Geschichte wird dann auch noch eine Überraschung bereitgehalten, die wir bereits in der Vorsatzgestaltung erahnen können.

 

Sowohl der sehr knapp gehaltene Text von Babett Jacobs als auch die herrlichen Bilder von Julia Gerigk atmen Liebe. Das Schriftbild ist durch die serifenlosen Buchstaben (etwa 21 pts) wie durch den 1,5-zeiligen Abstand und den Flattersatz sehr gut lesbar, die Erzählung selbst ist sachlich, fast lakonisch. Ein ganzes Hundeleben in knapp zwanzig kleinen Stationen.

Die Bilder beschränken sich so, wie es der Text vorgibt. Antonelli ist die Hauptperson und erhält als Einzige(r) eine hellbraune Färbung und eine ganze Kontur. Die Ich-Erzählerin sehen wir nur in Ausschnitten: Füße, Hosenbeine, Schatten. Das gilt entsprechend für eine kleine Schmusedecke, das Sofa, die Hundeleine mit Halsband. Julia Gerigk wählt ungewöhnliche Perspektiven und setzt sehr sicher die Linien und kleinen Schatten in den gestalteten Flächen.

 

Bild und Wort ergänzen sich vortrefflich. Auch wenn aus der Sicht einer erwachsenen Person geschildert wird und im Zeitraffer ein ganzes Hundeleben, also vielleicht 10 Jahre, so ist es doch ein Buch (auch) für Kinder. Es zeigt den verantwortungsvollen Umgang der Menschen mit dem Tier, ohne auch nur eine Spur von „Pädagogik“. Tiere sind kein Geschenk für Kinder. Tiere sind ein Geschenk für Menschen, das sagt uns das Buch.

 

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Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en